NABU.de Aktionen & Projekte Vogel des Jahres 1976 - Der Wiedehopf

Der Wiedehopf

Der Wiedehopf

Vogel des Jahres 1976

Wiedehopf



Der wärmeliebende Wiedehopf ist deutlich von Klimaschwankungen betroffen. Doch wird der für diesen Vogel sicherlich zunächst positive Klimawandel der letzten Jahre von anhaltenden Gefährdungsfaktoren überlagert. So wird der markante Wiedehopf sicher auch in Zukunft zu den eher seltenen Erscheinungen in unserer heimischen Vogelwelt zählen.

Name

Der Wiedehopf (Upupa epops) ist die einzige Art der Familie der Wiedehopfe (Upupidae) und zählt zur Ordnung der Rackenvögel (Coraciiformes).

Kennzeichen

Besondere Kennzeichen des Wiedehopfes sind sein langer, dünner, gebogener Schnabel sowie die aufrichtbare Federhaube. Das Körpergefieder des kurzbeinigen Vogels ist hell orange-bräunlich, Schwingen und Schwanz sind kontrastreich schwarz-weiß gebändert.

Lautäußerungen

Der Balzruf besteht aus meist dreisilbigen upu-pup Lauten. Bei Erregung krächzt der Wiedehopf gedehnt und rau.

Wiedehopf mit Heuschrecke

Wiedehopf mit Heuschrecke

Nahrung

Das Beutespektrum des Wiedehopfes umfasst vor allem (Maulwurfs-)Grillen, Käfer und Engerlinge sowie größere Schmetterlingsraupen. Er erbeutet aber auch Spinnen, Asseln, Hundert- und Tausendfüßler, Regenwürmer und Schnecken. Gelegentlich zählen kleine Wirbeltiere wie Eidechsen zu seiner Nahrung.

Lebensraum

Der Wiedehopf bevorzugt als Bruthabitat offene Landschaften warmtrockener Klimate mit kurzer, schütterer Pflanzendecke zur Bodenjagd. Geeignete Bruthöhlen wie in älteren, ausgefaulten Bäumen dürfen ebenfalls nicht fehlen.

Fortpflanzung

Der Wiedehopf sucht sich als Neststand Ganz- oder Halbhöhlen aller Art, z.B. in Astlöchern, Felshöhlen, unter Dächern oder in Erdlöchern. Meist Anfang Mai legt er dort in der Regel 5 bis 8 (lang-) ovale hell blaugraue bis grünlich graue Eier. Nach etwa tägiger Bebrütung durch das Weibchen schlüpfen die Jungen, die anschließend noch 13 bis 14 Tage lang gehudert werden und nach 23 bis 25 Tagen das Nest verlassen. Anschließend werden die Jungvögel noch einige Tage mit Futter versorgt. Zweitbruten können bis Anfang Juli erfolgen.

Verbreitung

Das Areal des Wiedehopfes reicht von Südwest-Europa und Nordwest-Afrika nach Osten über Vorderasien, Arabien, Sri Lanka bis Sumatra, im Norden bis in das Baltikum und ostwärts bis zum Baikalsee. Abgesehen von vereinzelten Überwinterern beziehen die Zugvögel südlich der Sahara bzw. Indiens ihre Winterquartiere.

Bestand

Wiedehopf an Nistkasten

Die nur im Nordwesten und Norden fehlende Nominatform weist in Europa einen Gesamtbestand von mindestens 890.000 Brutpaaren auf, mit deutlichem Schwerpunkt in den mediterranen Ländern (v.a. Spanien, Türkei) und in Russland. Der Wiedehopf kommt in fast allen Ländern Mitteleuropas vor, der Bestand ist hier jedoch auf wenige Tausend Vögel zurückgegangen. In Deutschland brüten 310 bis 460 Paare. Gezielte Schutzmaßnahmen haben regional (z.B. am Südlichen Oberrhein) zu einer erfreulich positiven Entwicklung geführt.

Gefährdung

Neben klimatischen Faktoren wie feuchtkühler Witterung macht dem Wiedehopf vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft mit ihren unterschiedlichen Folgen zu schaffen. Hoher Pestizideinsatz und der Verlust von extensiv genutzten Wiesen und Weiden, die in Ackerland umgewandelt werden, zählen zu den wesentlichen Gefährdungsfaktoren. Geeignete Bruthöhlen gehen durch das Entfernen von nicht mehr ertragsreichen Obstbäumen oder von Feldgehölzen regelmäßig verloren, außerdem durch Sanierungsmaßnahmen älterer Gebäude (Scheunen, Ställe) und Gemäuer.

Forderungen zum Schutz

Zum Schutz des Wiedehopfes sind verbliebene Streuostbestände sowie Feldgehölze mit Bruthöhlen langfristig zu erhalten. Nisthilfen werden an geeigneten Orten gerne angenommen und haben lokale Vorkommen bereits sehr positiv beeinflussen können.

Im Zuge einer Extensivierung der Landwirtschaft sind reich strukturierte Wiesengebiete und Brachflächen zu fördern und zu erhalten. Der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sollte in Brutgebieten des Wiedehopfes deutlich eingeschränkt werden, um ein ausreichendes Nahrungsangebot sicherzustellen.


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